„There´s a crack…

 

…in everything. That´s how the light get´s in.“

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Jule hat immer alles im Griff.

Mit vierzehn verdiene ich mein erstes eigenes Geld. In Heikes´Hundepension. Für fünf Mark die Stunde sammle ich Hundekacke aus dem Hof, kehre den Gang zwischen den Zwingern und traue mich nie bis zum letzten, an deren Gitter sich sonst schäumend der schwarze Rottweiler wirft, wenn ich mich ihm nähere.

Mit achtzehn gehe ich weg von Zuhause, nehme mir eine winzige Wohnung, verdiene Geld und studiere  und habe die beste Zeit meines Lebens. Ich verliebe mich in einen depressiven Assistenzarzt und er sich in mich. Wir haben eine stille und besondere Zeit miteinander und verbringen sie nachts unter Brücken, in der Musikbücherei, im Park, bei Vollmond im Grubenteich und im Bett, natürlich. Nach zwei Jahren geht er nach Stralsund und ich nach Freiburg.“ Ich komme mit dir“, sage ich. Ich mache blau, wir packen den Sprinter und fahren dorthin, wo die Bäume  im Sand stehen und Bernstein an den Strand gespült wird. Wir haben zehn Tage am Sund, die zu den schönsten meines Lebens werden sollen. Wir sprechen nie darüber, aber wir wissen beide: danach sehen wir uns nie wieder. Als ich zurückkomme schalte ich den Fernseher ein und zwei Flugzeuge fliegen in zwei Türme und von da an ist dieser Tag nicht mehr nur für mich eine Tragödie.

Ich kaufe mein erstes eigenes Auto, einen schwarzen Golf, am Strassenrand. Die Reifen wechsele ich selbst, Geld habe ich nicht dafür. Zum Frühstück gibt´s Haferflocken und sonst immer Nudeln, und wenn ich genug gespart habe, gibt´s Scampi mit Aioli und Rotwein und Musik und ich lade meine Freundin ein, die damals noch nicht Tomma heißt, und wir tanzen.

Auf den Tag folgt die Nacht und auf die Nacht der Tag, auf den Sommer der Herbst und der Winter und alles dreht sich und nichts endet und geht weiter jeden Tag, ohne dass man irgendwas dazu tun muss und alles ist gut.

Ich gehe nach Köln mit 20 Euro in der Tasche, kaufe ein Bier und eine Pizza davon, das Auto verreckt im Regen an einer Kreuzung und eine Woche später habe ich einen Job und rette von jetzt an Leben.

„Die Jule, die hat nen Kopf auf den Schultern“, wird Moritz eines Tages über mich sagen.

Und irgendwann kommt Tomma. Mit einem Mann, dem Wolf, an ihrer Seite, der nicht ihrer ist, aber den sie liebt. Und sie lieben sich, und dann spricht Tomma mit Moritz und der Wolf muss gehen aus ihrem Leben und ihr Herz tut weh. Und ich lerne Moritz kennen und ihre Kinder. Ich bin da. Und ich bleibe. Die Kinder malen mich auf die Familienbilder und das ist schön irgendwie, wo ich doch keine eigene habe. Und es wird ein bisschen mein Zuhause und ich frage mich manchmal, ob das noch in Ordnung ist. Es ist in Ordnung, denke ich.

Und dann meldet sich der Wolf und will mich sehen. Ich zögere monatelang, dann treffe ich ihn, wir streifen durch den Wald, stundenlang, und reden und lachen, und ich mag ihn, den Wolf und Tomma sagt seit Monaten „Jule, eigentlich ist das dein Mann“. Und er ist schön, der Wolf, und still und aufmerksam und mich hat lange niemand mehr berührt. Ich rede mit Tomma und Moritz und Tomma sagt, sie kann das nicht. Und ich entscheide mich, für Tomma und Moritz und die Kinder. Weil ich sie liebe.                                             Dann sehe ich ihn doch, den Wolf. Ganz selten.

Und Tomma geht.

Dann beginnt mein Weinen und irgendwann sage ich dem Wolf, dass ich ihn zu gerne mag, was soll ich schon verlieren. Und dann geht auch der Wolf. Er geht sehr umständlich, aber er geht.

Und dann ist jetzt.

*

 

4 Gedanken zu “„There´s a crack…

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